Tourismus

Ein wichtiger Wirtschaftszweig und Devisenbringer war im ehemaligen Jugoslawien traditionell der Tourismus. Millionen von Urlaubern aus Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern tummelten sich alljährlich an den Stränden der damaligen Teilrepubliken Slowenien, Kroatien (mit den Schwerpunkten Istrien, Makarska oder auf den Inseln Krk, Cres oder Brač), Bosnien-Herzegowina (Neum) und Montenegro (mit der Bucht von Kotor, Budva und Ulcinj, als südlichster Fremdenverkehrsort Jugoslawiens).

willkommen in montenegro
Montenegro heißt Urlauber willkommen. (c) TC

Jedes Jahr wurden es mehr und ihre Anzahl übertraf die Einwohnerzahl des kleinen Montenegro deutlich. Durch die Jugoslawien-Kriege in den 90er Jahren kam der Tourismus dann jedoch schlagartig zum erliegen. Seit Mitte der 90er Jahre konnte Kroatien sich wieder erholen und floriert seitdem wieder als Urlaubsland. Kroatien zählt für die Deutschen neben Italien, Spanien und der Türkei zu den ganz großen Destinationen im Mittelmeer-Tourismus.

Anfangs war Kroatien besonders für Reisende mit begrenztem Budget und im Bereich Familienurlaub interessant. Mittlerweile haben in Kroatien die Preise jedoch angezogen und Billigurlaub ist hier kaum noch möglich. Das ist auch eine logische Konsequenz, denn die politische Situation ist stabil und das Land hat, genauso wie Montenegro eine faszinierende Landschaft und hervorragende touristische Infrastruktur.

 

Montenegro – Reiseziel mit langer Tradition

Für Montenegro, die „Perle der Adria“ war die Lage etwas schwieriger, als für sein Nachbarland. Cran Gora litt als Teil von (Rest-)Jugoslawien gemeinsam mit Serbien noch länger unter politischen und wirtschaftlichen Sanktionen. Es wurde trotz seiner Tradition als Reiseziel, mit seinen immensen Naturschönheiten und den kulturellen Hotspots aus politischen Gründen nicht wahrgenommen. Die Gäste und der Tourismus beschränkten sich in dieser Zeit hauptsächlich auf Reisende aus Serbien und Russland.

Seit den letzten Jahren, insbesondere nach der staatlichen Unabhängigkeit von Montenegro, hat sich dies jedoch geändert. Es stehen den Besuchern eine wachsende Anzahl von Betten im Land zur Verfügung. Mittlerweile finden wieder mehr Touristen aus Europa nach Montenegro und sind begeistert von der fjordähnlichen Bucht von Kotor, der bezaubernden Bergwelt und den schönen, glasklaren Stränden an der Adria.

Die Küste Montenegros ist eine der wärmsten und sonnigsten in ganz Europa. Aber Kenner wissen Montenegro zu unterscheiden von reinen Zielen des Badeurlaubs. Die Hinterlassenschaften zahlreicher Völker wie Illyrer, Römer, Habsburger und Osmanen haben ihre kulturellen Spuren hinterlasse – zur Freude von kulturinteressierten Reisenden.

Neben Bade- und Kultururlaub ist aber auch ein aktiver Erlebnisurlaub in Montenegro sehr gut zu gestalten. Wanderfreunde, Trekker und Mountainbiker sind begeistert von den sechs Nationalparks im Land. Und zu guter letzte: In Crna Gora ist sogar Winterurlaub möglich, die Pisten und die Schneesicherheit können es durchaus mit Skiorten in den Alpen aufnehmen.

Und so ist es kein Zufall, dass die Besucherzahlen seit Jahren wieder steigen. Immer mehr deutschsprachige Reisende haben Montenegro für sich entdeckt, aber auch Engländer, Niederländer, Franzosen und Italiener sowie natürlich Urlauber aus den Nachbarländern besuchen das Urlaubsland. Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr sind einer der wichtigsten Einnahmequellen des Landes und für viele Montenegriner ein Hauptteil des Einkommens.

Egal ob als Hotelkraft, Kellner, Reiseführer, Kanuverleih, Tauchlehrer, Eisverkäufer, Busfahrer oder Landwirt mit Bioprodukten und landestypischen Spezialitäten – sie alle profitieren von den Besuchern. Aber nicht nur deswegen sind die gastfreundlichen Montenegriner sehr engagierte Gastgeber, die mittlerweile auch einen hohen Grad an Sprachkenntnissen vorweisen. Englisch, Russisch und Deutsch sind weit verbreitet.

Gut zu erreichen ist Montenegro über die Flughäfen Tivat (Montenegro), Podgorica (Montenegro) und Dubrovnik (Kroatien). Ebenfalls gibt es Möglichkeiten das Land mit dem Auto, der Bahn oder der Fähre (von Bari oder Ancona in Italien) anzureisen. Auch im Kreuzfahrttourismus werden die Urlaubsorte der montenegrinischen Adria gerne angesteuert.

Mit einem Mietwagen kann man Montenegro flexibel bereisen und die Preise sind mittlerweile absolut erschwinglich. Die Alternative den Urlaub aus einer Kombination günstiger Flug und günstiger Mietwagen durchzuführen, ist daher sehr beliebt. Das Busnetz und der öffentliche Personenverkehr sind dagegen nur entlang der bekannten Strecken ausgebaut. Abseits der Touristenpfade ist dieser äußerst dünn und daher auf einer Reise nicht bevorzugt einzuplanen. Taxifahrten sind allerdings außerhalb der Städte bezahlbar und insbesondere gut verhandelbar.

 

Ökotourismus und weitere Urlaubsformen in Montenegro

Egal wie man seinen Urlaub in Montenegro verbringen möchte, dieses Urlaubsland ist mittlerweile gut ausgestattet mit Ferienhäusern, Ferienwohnungen und modernen Hotels. Insbesondere an den touristischen Zentren der Küste und in der Hauptstadt Podgorica ist das Angebot groß. Da viele Hotels erst in den letzten Jahren entstanden sind und modernen internationalen Standards entsprechen, sind die Preise aber nicht immer günstig.

Insbesondere zwischen Haupt- und Nebensaison gibt es aber deutliche Unterschiede und es lassen sich Schnäppchen finden. Außerhalb der Saison kann man bei Privatunterkünften nach einem Rabatt fragen und Erfolg haben. Camping ist in Montenegro eher selten geworden und es gibt kaum noch Plätze. Man muss dazu sagen: Letztlich möchte sich das Land als Ökotourismusziel und hochwertiges Ferienland etablieren. Das Image eines billigen Reiselandes oder des Ballermanns an der Adria überlässt man lieber anderen Ferienregionen.

Montenegros Regierung und Tourismusorganisation gehen es dabei gelassen und nachhaltig an. Bei den vorhandenen Ressourcen ist dies auch verständlich, denn die Zeit arbeitet eigentlich nur für Montenegro. Immer mehr Reiseziele am Mittelmeer sind verbaut, überlaufen oder leiden unter politisch bedenklichen Sicherheitslagen. Das alles ist in Montenegro nicht der Fall und so setzt man in Podgorica heute auf Stabilität und Kontinuität.

Allerdings setzte nach der Unabhängigkeit im Jahre 2006 zunächst tatsächlich ein Investitions- und Bauboom ein. Unter der weltweiten Finanzkrise litt auch Montenegro und zugesagte Investitionen blieben plötzlich aus und der Immobilienmarkt zeigte sich überhitzt. Seitdem geht es ruhiger zu und man geht die Entwicklung zwar engagiert, aber langsam an.

Große Investitionsprojekte wie die Marina Porto Montenegro mit Luxusyachten und luxuriösen Ferienunterkünften unterstreichen das Image eines Monacos oder Nizzas an der Adria, sind aber die Ausnahme und werden behutsam angegangen. Ansonsten wirbt man mit den Schlagworten „Wild Beauty“ und die „Wilde Schönheit“ lockt erfolgreich Wanderer, Radfahrer sowie Freunde zahlreicher Wasser- und Outdoor-Sportarten an.

Oft ist Montenegro teurer als vergleichbare Angebote in Kroatien oder Bulgarien. Dafür hat man in Montenegro aber abseits der Zentren eine ursprünglichere und individuellere Landschaft mit einsamen Bergdörfern und den letzten noch in Europa bestehenden Urwäldern. Natürlich ist auch Kroatien ein hervorragendes Reiseland, aber in vielen Bereichen zwar weiter entwickelt aber auch überlaufen. Das hat Vor- und Nachteile, die jeder selbst einschätzen muss.

Eine Besonderheit des Balkans sind die Etno selo, kleine Dörfer für Urlauber bestehend aus einfachen landestypisch-historischen Hütten mit einem Zentrum, welches Küche und Bad beinhaltet. Das bekannteste Etno Selo ist übrigens das Etno Selo Stanisic in Bosnien-Herzegowina, aber mittlerweile gibt es diese auch in weiteren Ländern (neben Montenegro auch in Serbien und Kroatien).

Neben den modernen 4-5 Sterne Ressorts gibt es auch noch ältere aber mittlerweile renovierte Hotels aus der jugoslawisch-sozialistischen Zeit, die meist deutlich preiswerter sind und ebenfalls sauber und gut gelegen sind. Daher ist mittlerweile in Montenegro für jede Preisklasse und für jeden Urlauber etwas dabei.

Bei den örtlichen Fremdenverkehrsämter kann man je nachdem auch Ferienwohnungen und Ferienhäuser, sowie Pensionen und private Zimmer erfragen. Es empfiehlt sich aber aufgrund der immer noch in Relation zur Nachfrage bestehenden Begrenztheit eher bereits von Deutschland aus zu buchen, insbesondere wenn man den Vorteil einer größeren Auswahl bedenkt.

 

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