Geschichte

 Antike

Illyrische Stämme siedelten bereits seit der Eisenzeit in der Region und wurden nach den Illyrisch-Römischen Kriegen im 3. Jahrundert v. Chr. durch die Römer besetzt und romanisiert (Provinz Dalmatien). Das heutige Montenegro wurde bei der römischen Teilung im Jahre 395 dem Weströmischen Reich zugeschlagen.

montenegro gehörte zu dalmatien
Montenegro und der Balkan zur Zeit der Römer.

 

Mittelalter

Montenegro war während der germanischen Völkerwanderung Ziel und Durchgangsland von Ostgoten und Vandalen. 535 wurde es dann Teil des Oströmischen Reiches (Byzanz/ Konstantinopel), bei dem es bis 1077 formell blieb. Südslawische Stämme im Gefolge der Awaren verdrängten seit dem 7. Jahrhundert mehr und mehr die romanisierte Bevölkerung. Durch den Araberstrum im 7. und 8. Jahrhundert wurde die byzantinische Kontrolle weiter aufgeweicht.

Die Makedonische Dynastie hatte mit Dalmatien (869) wieder Kontrolle über Risan, Kotor, Bar und Budva, sowie weitere Städte und Regionen Montenegros. Die Städte entwickelten sich kontinuierlich (insbesondere durch den regen Handel), während das Landesinnere nur sporadisch besiedelt blieb.

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Kotor (Cattaro) wurde unter Basileios I. (867 – 886) erstmals erwähnt. Nach Basileios II. (976 – 1025) geht es bergab mit dem Oströmischen Reich. Die Seldschuken fallen ein und als Folge der Schlacht von Mantzikert 1071, nutzen die Südslawischen Völker die Möglichkeit sich von Byzanz formell zu trennen. Byzanz hatte diesem Separatismus nicht viel entgegenzusetzen. Die Römische Kurie krönte darauf hin lokale südslawische Fürsten zu territorialen Regenten. Diese Fürstentümer wurden Keimzelle eines ersten serbischen Staates im Mittelalter.

Als erster serbischer Fürst von Duklja wurde im 10. Jahrhundert Peter genannt. Ende des 10. Jahrhunderts herrschte in Duklja Jovan Vladimir (992 – 1016), der in byzantinischen Quellen als serbischer Princeps (lat. Fürst) beschrieben wird. Es folgte Stefan Vojislav als Archont von Duklja (um 1040-1052). Er erkämpfte die Unabhängigkeit von Byzanz und brachte noch dazu Travunien und Hum (heute Bosnien) unter seine Kontrolle. Sein Sohn Mihailo Vojisljevic (1052-1081) erweiterte das Reich noch um die Gebirte von Bosnien und Raszien aus und wurde 1077 von Papst Gregor zum König gekrönt.

1089 wurde in Bar ein katholisches Erzbistum gegründet. Das serbische Zarenreich zerbrach 1360 und es entstand ein unabhängiges Fürstentum namens Zeta. 1459 eroberten die Osmanen Serbien und die Crnojevics (1465 – 1528) herrschten als osmanische Vasallen in der Zeta. In Montenegro begnügte sich das Osmanische Reich mit der Kontrolle der wichtigsten Küstenorte, sowie die Poljen von Grahovo und Nikšić. Das Kerngebiet der Zeta mit Gebirgen und Karst war für die Osmanen uninteressant.

 

16. – 19. Jahrhundert

Ab 1528 standen die orthodoxen Bischöfe von Cetinje formal und symbolisch an der Staatsspitze. Dies gilt als Beginn der neueren Geschichte des eigentlichen Montenegros. Der Staat war ein loses Gebilde geprägt durch rivalisierende Clans. Insbesondere der Kampf gegen den gemeinsamen Feind, die Osmanen, hielt das Gemeinwesen aber zusammen. Der oberste Bischof hatte den Titel Vladika. Die Vladika stützten sich insbesondere auf die freien montenegrinischen Bergstämme und deren Kooperation.

Seit 1697 wurde das Amt des Vladika erblich und blieb in der Familie Petrović-Njegoš. Da die Bischöfe keine eigenen Nachkommen haben durften, wurde das Amt immer von dem Onkel an den Neffen weitergegeben. Das Fürstbistum wurde allerdings 1852 abgeschafft. Erster weltlicher Fürst (Knez) wurde Danilo I, aus dem Hause Petrović. Er übergab das Amt an seinen Neffen Nikola I 1860. Ein Teil des heutigen Montenegro (Bucht von Kotor) war jedoch noch Teil Veneziens.

Diese Region war als Venezianisch-Albanien bekannt. Es fiel jedoch im Jahre 1797 an Österreich. Obwohl die Österreicher durch Napoleon geschwächt waren, konnten die Montenegriner Kotor ihrem Staat zunächst nicht wieder anzuschließen (erst nach dem Ersten Weltkrieg ging es zurück als Teil des neu geschaffenen Jugoslawiens). Nach 1830 gelang des zwei Vertretern der Familie Petrović, Peter II (1830 – 1851) und seinem Nachfolger Daniel II (1852 – 1860), die Klankonflikte zu dämpfen und erste Ansätze eines modernen Staates einzuführen.

Daniel II wurde jedoch 1860 ermordet. Dessen Neffe Nikolaus I (1860-1918) wurde sein Nachfolger und vollbrachte in seiner langen Amtszeit einige bemerkenswerte Reformen. Das Land erhielt ein Gesetzbuch (nach ausländischen Vorbildern konstruiert), eine modernere Staatsverwaltung und einen Ministerpräsidenten. Außerdem erhielt Montenegro mit russischer Unterstützung neben den Freiwilligenverbänden, auch erstmals eine eigenen zentrale Armee.

Montenegros Verhältnis zu Russland war sehr eng. Montenegro kämpfte im russisch-türkischen Krieg (1877-1878) neben Serbien und Rumänien auf Seiten der siegreichen Russen. 1878 wurde seine Unabhängigkeit von den europäischen Großmächten anerkannt. Auf dem Berliner Kongress erhielt es die Hafenstadt Bar zugesprochen und war fortan kein Binnenland mehr. In der Zeit von 1860 – 1910 verdoppelte sich die Bevölkerungsdichte und es kam zu Auswanderungswellen, besonders in die USA, Serbien und in das Osmanische Reich. Die Gastarbeiter halfen jedoch den Daheimgebliebenen mit Hilfsgeldern und brachten dadurch Devisen ins Land und später ggf. als Rückkehrer neue Ideen.

 

20. Jahrhundert

Ab 1900 geriet Montenegro innen- wie außenpolitisch in eine Krise. Besonders der Militärputsch von Belgrad 1903 der in Serbien die Karageorgewitsch-Dynastie und die serbische Radikale Partei an die Macht brachte, hatte Auswirkungen auf das kleine Montenegro.

Serbien sah sich nunmehr als Hauptstreiter für die südslawische Einheit und hatte sowohl ökonomisch, als auch militärisch bessere Möglichkeiten für diese Rolle, als das Montenegro. Verfassung und Parlament waren in Serbien ebenfalls schon lange vorhanden. Den gebildeteren Montenegrinern erschien Montenegro im Vergleich zu Serbien als rückständig. Auch Russland unterstützte nun offen Serbien und Montenegro geriet politisch in den Schatten des großen Nachbarn. 1907 konnte ein Bombenattentat (vermutlich organisiert aus Serbien) gegen die Dynastie in Montenegro verhindert werden. Jegliche Opposition wurde seitdem allerdings mit voller Härte durch die Polizeikräfte verfolgt. Es entstand ein Klima der Angst. 1905 erhielt Montenegro dann eine Verfassung und ein Parlament. Diese Institutionen wurden jedoch in den Folgejahren mehr und mehr zugunsten der Monarchie wieder ausgehöhlt.

Nikolaus I. ließ sich 1910 von dem ihm geneigten Parlament zum König von Montenegro ernennen. Außenpolitisch setze das Königreich weiter auf Russland und auf Italien. Österreich-Ungarn war weniger als Bündnispartner interessant, insbesondere weil mehrere slawische Brudervölker unter dem Joch der Doppelmonarchie standen, was wiederum der von Montenegro vertretenen Panslawische Ideologie entgegenstand. Der Zwang neues Agrarland für die wachsende Bevölkerung zu beschaffen, führte zu Kriegen gegen das Osmanische Reich. Der erste Balkankrieg begann am 8. Oktober 1912 mit dem Angriff Montenegros auf das Osmanische Reich. Die übrigen Balkanstaaten (Serbien, Bulgarien, Griechenland) folgten Montenegro wenige Tage später als Verbündete gegen die Türken.

Die Osmanen verloren diesen Krieg. Als Ergebnis erhielten alle Gegner der Osmanen erhebliche Landgewinne. Der Staat Albanien wurde außerdem neu geschaffen. 1913 folgte dann der zweite Balkankrieg. Er war das Ergebnis von Unstimmigkeiten bezüglich der Verteilung der neu eroberten Gebiete. Ein bulgarischer General griff –angeblich ohne Befehl der bulgarischen Regierung- am 29. Juni 1913 Serbien an. Dieser Vorfall führte dazu, dass Serbien und Griechenland gemeinsam Bulgarien den Krieg erklärten. Montenegro, Rumänien und sogar die Osmanen schlossen sich dem Krieg gegen die Bulgaren an. Am 10. August 1913 wurde im Frieden von Bukarest ein Großteil der bulgarischen Landgewinne aus dem ersten Balkankrieg unter den Siegern des zweiten Balkankrieges aufgeteilt.

Der Gegensatz zwischen Serbien und Österreich-Ungarn wurde derweil immer größer. Österreich-Ungarn wollte Serbien keinen Zugang zum Meer zugestehen. Das erstarkte und selbstbewusste Serbien bestand jedoch darauf. Der außenpolitische Druck auf den Balkan und Montenegro wurde größer. Insbesondere auf Druck der Russen sah sich Montenegro gezwungen mit den Serben über einen gemeinsamen Bundesstaat zu verhandeln. Diese Pläne wurde jedoch durch den Ersten Weltkrieg überholt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte Montenegro auf Seiten Serbiens. Im Januar 1916 wurde es von deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen besetzt. Generalgouverneur wurde Viktor Weber Edler von Webenau. König und Regierung von Montenegro flohen ins italienische, später französische Exil. Obwohl am Ende des Ersten Weltkriegs Montenegro eigentlich auf der Siegerseite stand, war die Zeit der Unabhängigkeit und der Königsdynastie vorbei.

Am 29. November 1918 wurde das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Erstes Jugoslawien, sprich Land der Südslawen) ausgerufen. Montenegro wurde verwaltungstechnisch abgeschafft und wie ein Teil Serbiens behandelt. 1919 wurden königstreue Aufständische in Montenegro niedergeschlagen. Nikolaus I starb 1921 im französischen Exil, die Exilregierung löste sich mangels Erfolgsaussichten 1922 auf.

flagge von jugoslawien
Die Flagge des ehemaligen Staates der Südslawen „Jugoslawien“.

Im Zweiten Weltkrieg geriet Montenegro unter italienische Besatzung. Die Italiener riefen ein unabhängiges Montenegro aus und wollten die Monarchie der Petrovićs wiedererrichten. Jedoch kooperierten diese nicht mit den italienischen Besatzern. Deshalb war als Regierung ein von Italien abhängiges Nationalkomitee unter Blažo Đukanović an der Macht. Die Partisanen kämpften jedoch im Widerstand gegen die Italiener und später auch gegen die nachgerückten Deutschen (1943 – 1944). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Montenegro eine der sechs Teilrepubliken (neben Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien) des neuen Vielvölkerstaates Jugoslawien (Zweites Jugoslawien) und erhielt Montenegro die Bucht von Kotor zugesprochen.

Innerhalb Serbiens gab es zwei autonome Gebiete mit begrenzten Vollmachten (Kosovo für die Albaner, Vojvodina für die Ungarn). Das Land nannte sich ab 1963 offiziell Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien.

1945 wird Josip Broz Tito Ministerpräsident der Volksrepublik Jugoslawien. Er brach politisch jedoch 1948 mit der Sowjetunion unter Josef Stalin, so dass der Vielvölkerstaat Jugoslawien fortan seinen eigenen Weg zwischen den Blöcken ging. Zusammen mit Ägypten und Indien stärkte es die Bewegung der Blockfreien, d.h. der Länder zwischen Kapitalismus und Sozialismus.

1974 erhielten die Republiken erweiterte Autonomierechte innerhalb des föderierten Jugoslawien. Am 4. Mai 1980 starb Josip Broz Tito, der als Garant der Einheit Jugoslawiens galt. 1981 kam es zu Unruhen im Kosovo, deren Bewohner eine eigene Republik innerhalb Jugoslawiens forderten. Am 28.3.1989 löste Serbien die Autonomie des Kosovo auf.

 

Weg in die Unabhängigkeit und danach

Am 25.6.1991 erklärten Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit von Jugoslawien. Am 17.09.1991 erfolgte die Unabhängigkeitserklärung der Teilrepublik Mazedonien. Ab September 1991 begann der Krieg in Kroatien. Am 6.4.1992 wurde Bosnien-Herzegowina von den USA und der EU als unabhängiger Staat anerkannt.

Am 27.4.1992 gründeten Serbien und Montenegro die neue Bundesrepublik Jugoslawien, das so genannte Dritte Jugoslawien. Innerhalb des späteren Staatenbundes Serbien-Montenegro hatten die beiden Bundesstaaten ein hohes Maß an Autonomie. Zwischen Serbien und Montenegro bestanden z.B. Zollkontrollen. Montenegro hatte eine eigene Währung (zunächst die DM danach den Euro), während in Serbien mit dem Serbischen Dinar bezahlt wurde. Außerdem hatte Montenegro einen eigenen Außenminister.

20.10.2002 fanden Parlamentswahlen in Montenegro statt. Milo Ðukanović wurde Premier, nachdem sein Wahlbündnis „Demokratische Liste für ein Europäisches Montenegro“ bei den Wahlen die absolute Mehrheit gewonnen hatte. Sein erklärtes Amtsziel war die Unabhängigkeit Montenegros.

Am 21.5.2006 wurde ein Referendum abgehalten, dass über die Unabhängigkeit Montenegros oder den Verbleib bei Serbien-Montenegro entscheiden sollte. Regierung und Opposition hatten sich nach langer Diskussion und Vermittlung der EU auf dieses Verfahren geeinigt. Er sah eine Unabhängigkeit Montenegros vor, wenn sich 55% der Wahlberechtigten für eine solche aussprachen und die Wahlbeteiligung bei mindestens 50% liegen würde.

Bei einer Wahlbeteiligung von 86,39% und einer Erklärung der Wähler von 55,5% für die Unabhängigkeit wurden diese Hürden genommen und das Parlament erklärte am 03.06.2006 die Unabhängigkeit des Landes. Unter den Klängen der Nationalhymne „Oj, svijetla majska zoro – Oh, helle Morgendämmerung im Mai“ wurde die Staatsflagge Montenegros vor dem Parlament gehisst.

Montenegro wurde durch seine Unabhängigkeit der 193. Staat der Erde. Seit der Unabhängigkeit ist Montenegro u.a. Mitglied der folgenden internationalen Organisationen geworden: Vereinte Nationen (UN seit 28.06.2006), Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und Europarat. Die Mitgliedschaft in EU und NATO (zurzeit Beobachterstatus) ist angestrebt.

 

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